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Regionalverband Südniedersachsen – Pressemitteilung 11.03.2010
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11.03.2010

Nahversorgung – mehr als der Verkauf von Milch, Brot und Käse

Öffentliche Fachveranstaltung im Bürgerhaus Krebeck – Dorfladen als Erfolgsfaktor zukunftsfähiger Ortsentwicklung

Krebeck. Preise, Qualität und Sortimentsbreite müssen stimmen, aber das reicht nicht: Dorfläden können nur existieren, wenn die Einwohner bewusst nicht im Supermarkt „auf der grünen Wiese“, sondern vor Ort einkaufen. Und wenn es Ladenbetreiber gibt, die viel Idealismus aufbringen: Mehr als einhundert Experten aus Handel und Verwaltungen sowie Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nutzten den Nahversorgungstag in der Gemeinde Krebeck, um Erfolgsfaktoren für eine zukunftsorientierte Ortsentwicklung zu diskutieren.

Nach der Begrüßung durch Krebecks Bürgermeister Josef Sorhage und einer thematischen Einleitung des Moderators Dr. Michael Glatthaar (proloco, Bremen) hatte der Einzelhandelsexperte Martin Kremming von der CIMA Management und Beratung (Lübeck) darauf hingewiesen, dass die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte bundesweit weiter rückläufig sei. Die Verkaufsfläche je Einzelhandelsgeschäft steige weiter und der Konzentrationsprozess zugunsten der Marktführer Edeka, Rewe, Metro, Schwarz und Aldi sei ebenso ungebrochen wie die starke Preisorientierung vieler Verbraucher. Andererseits zeichne sich ein Trend zu hoher Qualität von Waren und Warenpräsentation in entsprechendem Ambiente ab.

In seinem Einführungsreferat betonte der Regionalplaner Thomas Oertwig, dass 93 Prozent aller Einwohnerinnen und Einwohner des Landkreises Northeim von der eigenen Wohnung bis zum nächstgelegenen Supermarkt nicht mehr als fünf Kilometer zurückzulegen hätten. Der Bedarf an großflächigem Einzelhandel sei ausreichend – regionalplanerisch sei die Versorgung der Bevölkerung also sichergestellt.

Zur Nahversorgung gehöre allerdings mehr als die Möglichkeit, Milch, Brot und Käse vor Ort einkaufen zu können – standortprägend sei die Gelegenheit zum Gespräch mit anderen Dorfbewohnern: So diagnostizierte der Architekt und Stadtplaner Dirk Puche, in der Theorie sei die Nahversorgung in Südniedersachsen gesichert. Niemand müsse hungern, weil das Angebot fehle. In der Praxis fehle es aber an Einkaufsmöglichkeiten in Wohnungsnähe (Entfernung 300 bis 900 Meter) und an der Gelegenheit zur Kommunikation. Darunter litten insbesondere ältere und immobile Menschen. Die vorhandenen staatlichen Förderprogramme seien nicht geeignet, die Strukturprobleme zu lösen. Puche: „Die Förderungen von EU, Bund und Land sollten einen viel größeren Freiraum für örtliche Gegebenheiten bieten und innovative Finanzierungsmodelle einschließen.“

Dr. Swantje Eigner-Thiel und Jasmin Wiefek vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung (IZNE) der Universität Göttingen stellten die Ergebnisse einer Befragung von Bewohnerinnen und Bewohnern Reinhausens und Barterodes (beide Landkreis Göttingen) vor. Ganz gleich ob Lebensmitteleinkauf, Dienstleistungen von Post und Banken als auch beim Thema „Leute treffen“. Die Befragten beider Orte legen auf die große Auswahl beim Einkauf, guten Service und die Regionalität und Qualität der Produkte besonderen Wert. Mehr als zwei Drittel messen dem Dorfladen für die Lebensqualität eine besonders hohe Bedeutung zu. Allerdings ist die Bereitschaft zu eigenem finanziellen Engagement bei der Sicherung dieses Angebots nur gering ausgeprägt. Nur jeweils ein Viertel der Befragten ist zu Eigenleistungen oder einer wie auch immer gearteten Mitfinanzierung bereit. Drei Viertel der Befragten akzeptieren, dass der Dorfladen höhere Preise verlangt als Wettbewerber mit größeren Verkaufsflächen.

Intensiv befasste sich der Nahversorgungstag mit Beispielen funktionierender Nahversorgung: So stellte Mathäus Mihm das kommunale Zentrum für Nahversorgung vor, das in den vergangenen Monaten in einem früheren Autohaus in Datterode (Stadt Eschwege) entstanden ist. Kirsten Räke erläuterte das Konzept der Garte Naturkost in Diemarden, Hans Heinrich Lemke stellte „Lemkes Rollenden Supermarkt“ und Ulla Klapproth das Medico Soziale Zentrum im Gillersheim (Gemeinde Katlenburg-Lindau) vor. Im Anschluss erörterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unter der Leitung von Daniel Strotmann (Regionalmanagement Harzweserland), Regina Meyer (Freie Altenarbeit Göttingen) sowie Dr. Hartmut Berndt (Leader Regionalmanagement Göttinger Land) im Rahmen von drei Workshops einzelne Thesen, die während der Abschlussdiskussion mit großer Mehrheit zur „Krebecker Erklärung“ zusammengefasst wurden.

Ausgerichtet wurde der Nahversorgungstag von der Mobilen Wohnberatung Südniedersachsen, den Regionalmanagement-Projektträgern der Landkreise Göttingen (LEADER), Osterode am Harz (NLG und KoRiS), und Northeim (MCON), der Stadt Osterode am Harz, dem Kreisverband Göttingen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) sowie dem Regionalverband Südniedersachsen. Die Veranstaltung wurde unterstützt von der Sparkasse Duderstadt und der Volksbank Northeim-Eichsfeld e.G.

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