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29.10.2010

Mehr Transparenz für Politik und Bürger

Wissenschaftler untersuchen Kosten für Unterhalt, Pflege und Sanierung bestehender kommunaler Infrastruktur

Foto zur Pressemitteilung
Dr. Mareike Köller

Northeim. Straßen, Fußwege, Friedhöfe, Kanäle, Feuerwehrhäuser, Kindergärten, Schulen, Altenbegegnungsstätten und vieles mehr: Die Liste der Infrastruktureinrichtungen, die Städte und Gemeinden vorhalten, ist lang und unübersichtlich. Was es kostet, eine neue Sporthalle zu bauen oder einen Spielplatz anzulegen, lässt sich noch relativ leicht errechnen. Welche Folgekosten jedoch für Unterhalt, Pflege und Sanierung solcher Einrichtungen entstehen, weiß kaum jemand. Etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen ist Ziel eines Forschungsvorhabens, das der Lehrstuhl für Wirtschaftspolitik und Mittelstandsforschung der Universität Göttingen und die Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL, Hannover) gemeinsam im Auftrag des Niedersächsischen Wissenschaftsministeriums bearbeiten.

In ihrem Referat im Rahmen der Reihe „Auf den Ortskern kommt es an“ skizzierte die ARL-Referatsleiterin Dr. Mareike Köller die Rahmenbedingungen des auf drei Jahre angelegten Forschungsvorhabens, das sie seit dem 1. Oktober 2010 gemeinsam mit dem Diplom-Volkswirt Torsten Osigus bearbeitet.

Vor rund einhundert Zuhörerinnen und Zuhörern in der Stadthalle Northeim betonte die Wissenschaftlerin, es gebe eine Reihe von Methoden zur Untersuchung der Folgekosten neuer Infrastrukturangebote. Welche Aufwendungen jedoch für Pflege, Unterhalt und Sanierung der bestehenden Infrastruktur erforderlich seien, wisse niemand genau. Diese Fragestellung sei deshalb besonders wichtig, weil in vielen Städten und Gemeinden angesichts des demographischen Wandels die Kosten auf eine zurückgehende Zahl an Einwohnern umgelegt werden müsse - und das in einer Zeit, in der die Kommunen ohnehin strukturell unterfinanziert seien.

Mareike Köller machte deutlich, dass zunächst die Infrastrukturangebote einer noch nicht definierten Zahl an Kommunen in Niedersachsen analysiert werden sollen – dabei geht es um Gemeindestraßen und -wege, Versorgungsleitungen für Strom, Gas, Wasser und Abwasser und darüber hinaus die soziale Infrastruktur wie Schulen, Kindergärten und Altenheime. Gemeinsam mit ihrem Kollegen werde sie Typen von Straßen definieren, für die die Kilometer-Kosten ermittelt werden sollen. In einem zweiten Schritt geht es dann um Betrieb und Instandhaltung beispielsweise von Kindergärten, Schulen und Altenheimen. Mareike Köller: „Unser Ziel ist die Kostenberechnung aktuell vorhandener Einrichtungen. Die Daten sollen unter Berücksichtigung des demographischen Wandels in mehreren Szenarien für die nächsten zwanzig Jahre fortgeschrieben werden.“

Die Wissenschaftlerin kündigte an, Projektmitarbeiter würden Städte und Gemeinden Südniedersachsens in den nächsten Wochen um Überlassung von Daten bitten. Den Kommunen, die sich aktiv beteiligten, könnten zum Abschluss des Forschungsvorhabens wertvolle Erkenntnisse zur Verfügung gestellt werden. Die Verantwortlichen würden damit in die Lage versetzt, Anpassungsstrategien zu entwickeln, die dazu beitragen könnten, den Anstieg der Infrastrukturkosten pro Kopf zu verhindern oder zumindest zu reduzieren. Neue Infrastrukturprojekte könnten unter dem Aspekt der Folgekosten präziser geplant werden. Mareike Köller: „Besonders wichtig ist natürlich, dass dadurch für Politik und Bürger mehr Kostentransparenz geschaffen wird.“

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