
Wer bei der Entwicklung von Ortskernen allein auf die Selbstheilungskräfte der Marktwirtschaft setzt, wird wohl enttäuscht. Wenn sie die Lebensqualität in Städten und Dörfern sichern und auf sinkende Einwohnerzahlen und einen vielerorts drastischen Rückgang des Anteils von Kindern und Jugendlichen angemessen reagieren will, muss die Kommunalpolitik das Heft des Handeln an sich ziehen und Mut und Weitsicht aufbringen. Erforderlich sind nüchterne Analysen, Forderungen wie diese kennzeichnen die Einschätzungen der Gäste der Veranstaltungsreihe „Auf den Ortskern kommt es an – Innenentwicklung als Zukunftsaufgabe“. Die Regierungsvertretung Braunschweig und der Regionalverband Südniedersachsen hatten von August bis Dezember 2010 Politiker und Experten aus verschiedenen Bereichen zu fünf jeweils dreistündigen Foren in die Stadthalle Northeim eingeladen.
Von den insgesamt 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern beteiligten sich nun mehr als ein Drittel an einer vom Regionalverband durchgeführten Internet-gestützten Auswertung. Fast 90 Prozent dieser Experten teilen die Einschätzung, dass der im Verlauf der Veranstaltungsreihe diskutierte Paradigmenwechsel vom Wachstum zur Schrumpfung gestaltendes kommunales Planen erfordert. Nur so könnten Ortskerne und Zentren langfristig attraktiv bleiben. Mehr als 80 Prozent stimmten beispielsweise der Forderung des Northeimer Landrats Michael Wickmann nach einem radikalen Umdenken in der Stadt- und Ortsentwicklungspolitik mit der Konsequenz zu, das Wohnungsangebot durch den Abriss nicht sanierungsfähiger Gebäude gezielt zu verknappen.
Gleichzeitig hält aber knapp die Hälfte der Befragten Diskussionen über die Auswirkungen des demographischen Wandels auf Infrastruktureinrichtungen wie Schulen, Abwasserkanäle und Feuerwehren für so brisant, dass Kommunalpolitik und -verwaltung sie für nicht opportun halten. Mehr noch: Hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit der Ortskerne im ländlichen peripheren Raum blickt nur jeder neunte Befragte ganz oder überwiegend optimistisch in die Zukunft. Damit überhaupt Strategien und Handlungsansätze entwickelt werden können, muss nach Einschätzung von 85 Prozent der Befragten die Datenlage durch die Aufstellung von Leerstands- und Baulückenkatastern verbessert werden. Über die Unterstützung der Gemeinden durch die landeseigene NBank bei der Analyse des Wohnungsmarktes waren 63 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer „gar nicht“ und weitere 20 Prozent nur „in etwa“ informiert. Allerdings glauben drei Viertel der Befragten, dass Bund und Land die Gemeinden bei der Bewältigung der Folgen des demographischen Wandels auf die Ortskerne allein lassen. Bei der Bewertung der Politik der Landkreise liegt diese Quote nur bei 40 Prozent.
Die Regierungsvertretung Braunschweig und der Regionalverband Südniedersachsen bereiten derzeit eine ausführliche inhaltliche Auswertung der Veranstaltungsreihe vor. Die geplante Veröffentlichung wird unterstützt vom Niedersächsischen Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz und Landesentwicklung.
Die vollständige Auswertung der Befragung finden Sie auf unserer Website im Bereich „Presse & Service“.
Der Regionalverband bei...