Der Demographische Wandel ist in aller Munde. Die besonders durch die Universität bedingte Anhäufung von Jugend in Göttingen mag noch darüber hinwegtäuschen, fest steht jedoch, dass junge Menschen immer weniger, alte immer zahlreicher werden. Für die einen ist dieser Umstand eine Bedrohung, andere versuchen darin eine Chance zu sehen – so zum Beispiel der Regionalverband Südniedersachsen, der im Auftrag des Landkreises Göttingen im Jahr 2006 im Rahmen des Projektes „50plus – Erfahrung zählt“ wissenschaftlich arbeitete.
Ausgangspunkt der Verbands-Tätigkeit: Die Senioren von heute zählen zu der reichsten Generation aller Zeiten und so lag es nahe, zu prüfen wie diese Zielgruppe erschlossen werden kann. Da Senioren eine heterogene Zielgruppe sind, ist Senioren-Marketing vielschichtig. Ältere wollen zwar mit ihren Wünschen und Bedürfnissen ernst genommen, nicht aber explizit als Ältere angesprochen werden. Schließlich sind Ältere immer diejenigen, die - wie die Bezeichnung nahe legt - älter sind als man selbst.
„Seniorenwirtschaft“ ist denn auch der Titel der vom Regionalverband Südniedersachsen erstellten Potenzialanalyse. Wenn durch den demographischen Wandel neue Bedürfnisse entstehen und Märkte expandieren, ist das auch eine Chance für über 50-Jährige, wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen - so lautet die zentrale These der Studie. Immer wieder ist vom Wunsch älterer Menschen die Rede, möglichst lange selbstständig zu bleiben. Möglichkeiten dazu bieten hier zunächst die Wohnungsanpassung, außerdem verschiedene Formen des betreuten Wohnens und erst ganz zum Schluss das Seniorenheim
Regionalanalyse
Von Januar bis September 2006 untersuchte der Regionalverband Südniedersachsen e.V. in welchen Sektoren, Branchen und Berufen ältere Menschen in Stadt und Landkreis Göttingen beschäftigt sind. Differenziert nach dem Oberzentrum Göttingen, den Mittelzentren Duderstadt, Hann. Münden sowie den ländlichen Teilräumen wurde die Situation dargestellt. Die Entwicklung der Wirtschaftbereiche, in denen ältere Menschen tätig sind, wurde nachvollzogen. Beschäftigungsperspektiven wurden daraus abgeleitet. Altersspezifische Informationen über Einkommensverhältnisse, Gründungsgeschehen, Pendelgeschehen und die Inanspruchnahme von Altersteilzeit und anderen Übergangsmodellen wurden erhoben und zusammengestellt. Die Struktur älterer Erwerbsloser im Landkreis wurde im Hinblick auf regionale Verteilung, Qualifikationsprofile, Dauer von Erwerbslosigkeit, finanzielle Ausstattung und Haushaltsgrößen dargestellt.
Potenzialanalyse
Seniorenwirtschaft, also Entwicklung und Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen für ältere Kundinnen und Kunden, kann neue Perspektiven für die wirtschaftliche Entwicklung in der Region eröffnen und älteren Erwerbslosen neue Beschäftigungsfelder erschließen. Die Potenzialanalyse des Regionalverbandes untersuchte in verschiedenen Sektoren diese Beschäftigungsmöglichkeiten für Stadt und Landkreis Göttingen. Wesentlicher Bestandteil der Potenzialanalyse war eine Liste von Empfehlungen an unterschiedliche Zielgruppen – so etwa das Handwerk, der Handel und die Kommunalpolitik.
Betriebsstudie
Von Januar bis September 2006 untersuchten Zoom e.V. und der Regionalverband Südniedersachsen e.V. die Situation von älteren Beschäftigten in den Betrieben in Stadt und Landkreis Göttingen. Analysiert wurden betriebliche Strukturen und die Altersstruktur. Wichtiges Untersuchungsfeld war zudem die Frage, welche personalpolitischen Strategien Betriebe verfolgen, um auf den demographischen Wandel zu reagieren. Wie werden die Erfahrungen und Potenziale von älteren Beschäftigten genutzt, wie begegnen Unternehmen ihren Bedürfnissen bei der Arbeitsplatz- und -zeitgestaltung? Diese Aspekte wurden in einer schriftlichen Befragung sowie in Interviews mit Personalverantwortlichen, Betriebsräten und Beschäftigten untersucht. Die Ergebnisse der Studie wurden im September 2006 vorgestellt. Sie bildeten die Grundlage für weitere beschäftigungspolitische Maßnahmen in Stadt und Landkreis Göttingen.