Illustrationsgrafik
Illustrationsgrafik
o Verband>>Abgeschlossene Projekte>>Modellregion>>Begrüßungsrede Reuter

Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Werkstatt „Wissenschaft und ländlicher Raum“ am Freitag, 14. September 2007, in der Stadthalle Northeim durch Landrat Bernhard Reuter

Sehr geehrte Damen und Herren,

In Südniedersachsen wurde seit Anfang der neunziger Jahre eine Vielzahl regionaler Kooperationsstrukturen entwickelt bis hin zur Beteiligung an der „Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg“. Diese Kooperationen wurden im Rahmen der Modellregion Südniedersachsen auf die regionale Gesamtstrategie hin koordiniert und optimiert.

als Vorstandsvorsitzender des Regionalverbandes darf ich Sie heute in der Stadthalle Northeim herzlich begrüßen. Ich danke der Stadt Northeim, dass sie uns die Stadthalle für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt hat. Ich freue mich, dass so viele Verantwortliche aus den Städten und Gemeinden sowie Landkreisen der Region unserer Einladung Folge geleistet haben.

Besonders begrüßen möchte ich die drei Referenten des heutigen Vormittags, Herrn Vizepräsidenten Hoppe von der Universität Göttingen, Herrn Vizepräsidenten Prof. Dr. Müller von der HAWK sowie Herrn Prof. Dr. Vossen vom Institut für Stadt und Regionalmanagement an der Universität Göttingen.

Bei Herrn Hoppe möchte ich mich schon an dieser Stelle für einen Fehler unserer Geschäftsstelle entschuldigen. In der Ablaufplanung für den heutigen Vormittag wird als Titel des Referats „Die Unwissenschaftlichkeit der Universität Göttingen“ als Referatsthema genannt. Das war natürlich nicht gemeint. Vielmehr referiert Herr Hoppe über „die unwissenschaftliche Seite der Universität Göttingen“ – ein äußerst spannendes Thema, wie ich meine. Unwissenschaftlichkeit – wenn es diesen Begriff überhaupt gibt – will natürlich niemand der ehrwürdigen Georgia Augusta unterstellen – erst recht nicht der Regionalverband Südniedersachsen.

Begrüßen möchte ich auch Frau Silke Inselmann, die die Moderation für den heutigen Tag übernommen hat und uns durch die Veranstaltung führen wird. Herzlich willkommen, Frau Inselmann.

Bei der Betrachtung der Region Südniedersachsen werden zuweilen die Proportionen verkannt. Ein Viertel der Bewohner lebt im Oberzentrum – das heißt aber auch, dass drei Viertel im ländlichen Raum leben. Das Interesse an der Entwicklung des ländlichen Raumes in der Region Göttingen wird also in den nächsten Jahren nicht abnehmen. Das gilt für die Herstellung von Wissen ebenso wie für die Wertschöpfung, die im Zusammenhang mit der Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen entsteht. Wissenschaft und Forschung können heute nicht mehr punktuell an einzelnen Wissenschaftstandorten betrieben werden. Vielmehr sind sie auf Vernetzung angewiesen. Das wurde zuletzt bei einer Untersuchung deutlich, die die Nord/LB und die Universität Viadrina in Frankfurt/Oder im Auftrag der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen zur Vernetzung wissenschaftlicher Einrichtungen unternommen hat. In die immer dichter zu knüpfenden Netzwerke muss der ländliche Raum eingebunden werden, zum Vorteil des ländlichen Raums und der Region Göttingen insgesamt.

Wissenschaft, Innovationen und Bildung bilden in den Wissensgesellschaften entscheidende Wettbewerbs- und Wachstumsfaktoren. Sie stellen darüber hinaus sogar eigenständige Wertschöpfungsquellen dar. Wer diese Zusammenhänge ignoriert, verspielt die Zukunftsfähigkeit seines Unternehmens, seiner Kommune und seiner Region. Längst begreift die Europäische Union Wissen und Innovation als „Motoren der nachhaltigen Entwicklung“. Die EU hat die Unterstützung der Wissensgesellschaft daher im Lissabon-Programm zum Ziel mit höchster Priorität erklärt.

Regionen können einen Wettbewerbsvorsprung erzielen, indem sie die Netzwerke für den Wissensaustausch bereitstellen und die Umsetzung des Wissens in Produkte und Dienstleistungen fördern. Der Begriff Wissensregion wird international höchst unterschiedlich verwendet. Gemeinsamer Nenner ist jedoch die Erkenntnis, dass das Wissen und seine Anwendung für die wirtschaftliche und kulturelle, aber auch für die soziale Zukunft einer Region maßgeblich sind.

Die Kommunen Südniedersachsens haben sich zu Recht dafür stark gemacht, dass diese Zusammenhänge in der Regionalen Entwicklungsstrategie „Wissensregion Göttingen“ klar herausgearbeitet wurden. Im Hinblick auf die neue EU-Förderperiode 2007 bis 2013 hat der Regionalverband Südniedersachsen gemeinsam mit dem Land wichtige Perspektiven aufgezeigt. Dies erfolgte im Rahmen der Modellregion Südniedersachsen. Die heutige Veranstaltung erfolgt im Kontext der Umsetzung der RES „Wissensregion Göttingen“ und dem Projekt „Modellregion Südniedersachsen.“ Die RES haben wir im vergangenen Jahr in enger Kooperation mit dem Ministerium für den ländlichen Raum entwickelt. Ich freue mich deshalb besonders, mit Herr Schnäker einen Repräsentanten der Regierungsvertretung Braunschweig begrüßen zu können.

Unsere Region zeichnet sich aus durch zahlreiche Institutionen, die einen außerordentlich hohen Grad an Wissensintensität aufweisen: Neben der Universität Göttingen und unseren beiden Fachhochschulen ist das vor allem auch die außeruniversitäre Forschung. Sie manifestiert sich beispielsweise in der IWF Wissen und Medien gGmbH, im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und in den Max-Plack-Instituten, zu denen natürlich auch das Max Planck Institut für Sonnenenergieforschung in Lindau zählt. Etwas weniger bekannt ist, dass wir mit einer Dependance der Steinbeis-Stiftung auch in Einbeck ein Fachhochschulangebot haben, das noch ausbaufähig ist. Wissensintensive Industrie und Dienstleister sind eben nicht nur im Oberzentrum angesiedelt, sondern auch in den Landkreisen.

Kennzeichnend für unsere Region ist auch die hervorragende Ausstattung mit Informations- und Kommunikationstechnologien. Deshalb bietet es sich an, beispielsweise in Bereichen wie der Bioenergie und der Bildung virtuell stärker zusammen zu arbeiten – etwa durch gemeinsame interaktive Kommunikationsplattformen und intelligente Suchsysteme. Das kann bis hin zum Aufbau von E-Govenance-Strukturen führen.

Herr Dr. Stickan von der IWF wird uns nach dem Mittagessen deutlich machen, welche Bedeutung die Neuen Medien für den Wissensaustausch im ländlichen Raum haben. Ich heiße auch Sie herzlich willkommen, Herr Dr. Stickan.

Ein qualitätsorientierter Ausbau der Wissenschaftslandschaft ist meiner Meinung nach die beste Voraussetzung einer zukunftsorientierten Standortpolitik. Wenn die Universität Göttingen im Oktober die Anerkennung als Exzellenz-Universität im Rahmen der Bund-Länder-Initiative erhalten sollte – was wir alle gemeinsam hoffen – so wird dies natürlich nachhaltig ausstrahlen auf große Teile der Region. Die Wissenschaft mit Universität, Fachhochschulen und den weiteren wissenschaftlichen Einrichtungen prägt den Standort „Region Göttingen“.

Im Zusammenhang mit der auch von dem von der EU geförderten Ausbau der Wissensgesellschaft gewinnen Forschung und Entwicklung für die wirtschaftliche Prosperität einer Region immer mehr an Bedeutung. Auch wenn man mit Begriffen wie „Alleinstellungsmerkmal“ vorsichtig sein sollte, so verfügt der Standort Region Göttingen mit den genannten wissenschaftlichen Einrichtungen über Institutionen, die über Deutschland hinaus von großer Bedeutung sind.

Mit der heutigen Veranstaltung wollen wir diese Bedeutung unterstreichen und gemeinsam – Herr Kühle hat es in seiner Begrüßung bereits angedeutet – überlegen, wie der ländliche Raum in Zukunft noch stärker eingebunden werden kann. Wir verfolgen alle derzeit intensiv die Entwicklung der Nutzung nachwachsender Rohstoffe. An diesem Beispiel lässt sich besonders leicht verdeutlichen machen, welche Anknüpfungspunkte zwischen Wissenschaft und ländlichem Raum schon heute bestehen. Der verstärkte Anbau und die Nutzung nachwachsender Rohstoffe werden auch den klimapolitischen Anforderungen unserer Zeit in besonderer Weise gerecht. In den nachwachsenden Rohstoffen sehe ich eine besondere Chance und ein erhebliches Entwicklungspotential für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum insgesamt.

Im Mittelpunkt steht nicht allein der Anbau der Nutzpflanzen, sondern um die ganze nachfolgende Produktions- und Wertschöpfungskette. Ziel ist es, Einkommensalternativen für die Land- und Forstwirtschaft, neue Wirtschaftskraft und Arbeitsplätze in den ländlichen Regionen zu schaffen, die Kreislaufwirtschaft zu etablieren und zugleich den Auf- und Ausbau einer dezentralen, nachhaltigen Energieversorgung zu unterstützen.

Wir sollten gemeinsam darauf achten, dass der Ausbau dieser Energieversorgung auch weiter dezentral und im Konsens mit der Bevölkerung erfolgt. Dies ist einer der Punkte, bei denen die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Forschung auf der einen und den Kommunen und ihren Bürgermeister auf der anderen Seite besonders wichtig ist. Hier sind Wissenschaft und kommunalpolitisch Verantwortliche zu enger Kooperation und intensivem Dialog aufgefordert. Die heutige Veranstaltung soll dazu anregen, die Kommunikationsprozesse zu intensivieren und zu verstetigen.

Nach den Referaten am Vormittag wollen wir am Nachmittag unter der Moderation von Frau Inselmann weit über das Thema Nachwachsende Rohstoffe hinaus diskutiert werden, welche Berühungspunkte zwischen Wissenschaft und ländlichem Raum bestehen und wie die Zusammenarbeit gestärkt werden kann. Initiativen sollen dabei von beiden Seiten kommen – sowohl von den Vertretern der Wissenschaft als auch von der kommunalpolitisch Verantwortlichen. Ich freue mich sehr auf diesen offenen Dialog und wünsche der Veranstaltung einen erfolgreichen Verlauf.

Aktuelles:

Logo Bildungsregion GöttingenLogo RegJo-Verlag